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So messen Sie den langfristigen Erfolg eines Lager-Retrofits

Wie lässt sich der Erfolg eines Lager-Retrofits messen?

Ein Lager-Retrofit stellt eine bedeutende Investition dar. Mit der Modernisierung bestehender Lagertechnik lassen sich erhebliche Verbesserungen bei Lagerkapazität, Effizienz und betrieblicher Flexibilität erzielen. Doch woran erkennen Sie nach Abschluss des Projekts, ob das Retrofit tatsächlich erfolgreich war?

Die Erfolgsmessung ist genauso wichtig wie die Planung selbst. Klare Kennzahlen machen den geschaffenen Mehrwert sichtbar, zeigen Verbesserungen auf und belegen, ob die Modernisierung die gewünschten Geschäftsergebnisse erzielt hat. Ein Retrofit darf sich nicht nur auf dem Papier gut anhören – es muss messbare Verbesserungen in der Praxis liefern. Die individuellen Projektziele bestimmen dabei, was Erfolg bedeutet. Vielleicht möchten Sie die Lagerkapazität erhöhen, Kommissionierprozesse beschleunigen, die Arbeitssicherheit verbessern oder Ihr Lager auf zukünftige Automatisierungslösungen vorbereiten. Durch die regelmäßige Überprüfung relevanter Kennzahlen können Sie feststellen, ob das Retrofit Ihre Betriebsabläufe tatsächlich verbessert.

Ausgangswerte festlegen

Die wichtigste Regel jeder Erfolgsmessung lautet: Ohne Ausgangsbasis lässt sich kein Fortschritt bewerten. Vor Beginn des Retrofits sollten daher für alle relevanten Kennzahlen belastbare Ausgangswerte definiert werden. Diese historischen Daten dienen als Referenz und ermöglichen einen direkten Vergleich zwischen der Situation vor und nach der Modernisierung. War die Erhöhung der Lagerdichte das Hauptziel, sollte diese Kennzahl im Fokus stehen. Waren Engpässe in den Materialflüssen die Herausforderung, sind Wegezeiten und Durchsatzraten entscheidend. Ein Retrofit, das, das falsche Problem löst oder das richtige Problem nur unzureichend, kann nicht als erfolgreich gelten, unabhängig davon, wie reibungslos die Umsetzung verlief.

Typische Ziele eines Lager-Retrofits sind:

• Erhöhung der Lagerdichte
• Steigerung der Kommissionierleistung
• Reduzierung von Verkehrs- und Prozessengpässen
• Schaffung von Kapazitäten für zukünftiges Wachstum
• Verbesserung der Arbeitssicherheit
• Optimale Nutzung vorhandener Flächen

Je klarer diese Ziele zu Projektbeginn definiert wurden, desto einfacher lässt sich der Erfolg später messen.

Vom Flächen- zum Volumendenken

Für viele Lagerbetriebe ist Platzmangel der wichtigste Auslöser für ein Retrofit. Traditionell wird Lagerkapazität häufig in Quadratmetern betrachtet. Ein erfolgreiches Retrofit verlagert den Fokus jedoch auf die Nutzung des gesamten verfügbaren Raumvolumens.
Vor einer Modernisierung bleibt oft wertvoller Lagerraum ungenutzt:

• Freiraum oberhalb von Paletten
• Überdimensionierte Fahrgassen
• Nicht genutzte Hallenhöhen

Durch den Einsatz von hochverdichteten Lagersystemen oder automatisierten Lagerliften (Vertikallifte) wird die vorhandene Raumhöhe erschlossen, anstatt zusätzliche Gebäudeflächen zu schaffen. Der Erfolg bemisst sich dabei nicht nur an dem Volumen der eingelagerten Waren, sondern auch daran, wie effizient diese bewegt und umgeschlagen werden können. Ein erfolgreiches Retrofit kann die nutzbare Lagerkapazität innerhalb gleicher Grundfläche um 40% – 80% Prozent erhöhen und dadurch die hohen Investitionskosten eines Lagerneubaus oder Umzugs deutlich hinauszögern bzw. respektive verringern.

Neudefinition der Kommissionierleistung

Die Kommissionierung ist seit jeher der kostenintensivste und zeitaufwändigste Bereich der Auftragsabwicklung im Lager. In konventionellen Lagern verbringen Kommissionierer häufig bis zu 50 % ihrer Arbeitszeit allein mit Laufwegen, um Artikel zu entnehmen. Eine detaillierte Analyse eines erfolgreich durchgeführten Lager-Retrofits sollte daher eine deutliche Reduzierung der zurückgelegten Wegstrecken pro Auftrag zur Folge haben.

Unabhängig davon, ob eine Ware-zur-Person-Lösung implementiert oder die Lagerplatzverwaltung mittels eines neuen Warehouse Management Systems (WMS) optimiert wurde, ist eine Kennzahl besonders wichtig: Units per Hour (UPH) beziehungsweise die Anzahl kommissionierter Einheiten pro Arbeitsstunde. In einer klassischen manuellen Lagerumgebung liegt die Leistungsgrenze häufig bei etwa 60 bis 80 Picks pro Stunde. Nach einem Retrofit kann dieser Wert – insbesondere durch den Einsatz von Pick-to-Light-Systemen oder Autonomen Mobilen Robotern (AMR) – auf das Zwei- oder sogar Dreifache steigen. Dabei geht es nicht nur darum, Waren schneller zu bewegen. Entscheidend ist die Eliminierung unproduktiver Tätigkeiten, wie lange Laufwege durch Lagergassen. Dadurch werden bislang wertschöpfungsfreie Zeiten in produktive Leistung umgewandelt.

Arbeitseffizienz und die Kosten der Skalierung

Bei der Bewertung der Arbeitsleistung sollte nicht ausschließlich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden betrachtet werden. Ein erfolgreiches Retrofit sorgt dafür, dass die Kosten pro Auftrag auch bei steigenden Löhnen oder einem angespannten Arbeitsmarkt stabil bleiben. Vor der Modernisierung erforderte die Bewältigung von Auftragsspitzen oftmals einen nahezu linearen Anstieg der Mitarbeiterzahl. Der Erfolgsmaßstab nach dem Retrofit besteht darin, ob die Fulfillment-Kapazität gesteigert werden kann, ohne dass die Personalkosten im gleichen Verhältnis wachsen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient zudem die Kommissioniergenauigkeit. Jeder Fehlgriff verursacht reale Kosten durch Retourenprozesse, erneute Bearbeitung sowie mögliche Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit. Die Verbesserung der Auftragsgenauigkeit von beispielsweise 98 % auf nahezu 99,9 % kann in vielen Unternehmen Einsparungen generieren, die einen wesentlichen Beitrag zur Amortisation des Retrofit-Projekts leisten.

Die finanzielle Rendite bewerten

Ein Warehouse-Retrofit ist eine Investition, weshalb die finanzielle Performance Bestandteil jeder seriösen Bewertung sein sollte. Vergleichen Sie die Gesamtkosten des Projekts mit dem messbaren Nutzen der erzielten Verbesserungen:


• Reduzierter Personalaufwand
• Niedrigere Betriebskosten
• Verbesserte Lagerraumnutzung
• Weniger Kommissionierfehler
• Vermeidbare Kosten, beispielsweise durch den Verzicht auf einen Umzug in ein größeres Lagerobjekt


Einige dieser Werte lassen sich direkt messen, andere müssen geschätzt werden. Beide Ansätze sind jedoch legitim und wichtig, um den tatsächlichen wirtschaftlichen Nutzen des Projekts zu bewerten.

Zukunftsfähigkeit prüfen

Ein Retrofit, das aktuelle Probleme löst, den Betrieb jedoch für zukünftige Herausforderungen unzureichend vorbereitet, ist nur ein Teilerfolg. Der wichtigste Maßstab ist die Anpassungs-fähigkeit der Anlage. Kann das Lager zukünftiges Mengenwachstum bewältigen? Unterstützt es neue Artikelstrukturen, veränderte Kommissionierverfahren oder weitere Automatisierungsschritte? Ein Lagerlayout, das sich weiterentwickeln lässt, ohne ein weiteres großes Investitionsprojekt zu erfordern, schafft langfristigen Mehrwert und nicht nur eine kurzfristige operative Verbesserung.

Die Entwicklung langfristig beobachten

Der Erfolg eines Retrofits sollte nicht ausschließlich in den ersten Tagen nach dem Go-live beurteilt werden. Viele Verbesserungen entfalten ihre volle Wirkung erst nach einer gewissen Eingewöhnungsphase, insbesondere wenn Mitarbeitende sich an neue Prozesse oder Lagerlayouts anpassen müssen. Eine strukturierte Erfolgskontrolle zum Go-live, nach Stabilisierung des Betriebs sowie nach einem längeren Betrachtungszeitraum liefert das aussagekräftigste Bild darüber, ob die Projektziele tatsächlich erreicht wurden.

Ein Retrofit ist erfolgreich, wenn die Daten es belegen

Der wahre Maßstab für den Erfolg eines Lager-Retrofits ist dessen tatsächliche Leistungsfähigkeit im Betrieb. Ein erfolgreiches Projekt steigert Kapazität, Effizienz, Sicherheit und Flexibilität, ohne neue Probleme zu schaffen. Erst dann entsteht ein nachweisbarer Mehrwert. Definieren Sie klare Ziele, überwachen Sie relevante Key Performance Indicators (KPIs) und vergleichen Sie die Ergebnisse über einen längeren Zeitraum. So lässt sich der Erfolg des Retrofits zuverlässig belegen und die Grundlage für weitere Optimierungsmaßnahmen schaffen.

Die zentrale Erkenntnis lautet: Nur eine transparente und nachvollziehbare Erfolgsmessung ermöglicht sichere und fundierte Entscheidungen für die nächsten Entwicklungsschritte.

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